Historisches

Geschichtliche Anfänge

Die Wände der Hofapotheke in Aurich erzählen von einer langen Tradition

Wenn Wände sprechen könnten! Die 1608 erstmalig urkundlich erwähnte Hofapotheke berichtet von einer langen Tradition und Besitzerwechseln.

Damals, zu Beginn des 17. Jahrhunderts, stand der Apotheker Johannes Petrus Scofius noch im Dienste der Landesherrschaft unter Graf Enno III. und stellte hauptsächlich für die gräfliche Familie und deren Bedienstete Heilmittel her, die er nur mit Genehmigung des Hofes an Fremde ausgeben durfte.

Seit 1608 gibt es in Aurich eine Hofapotheke / Ein Kulturgeschichtlicher Rückblick
Zunächst Wundärzte

Der damalige fachliche Stand der Heil- und Heilmittelkunde, sowie der damalige Berufsstand des Mediziners und Apothekers ist mit unserem heutigen Stand nicht zu vergleichen und wir können uns von dem damaligen Leben und Wirken nur vage Vorstellungen machen. Lange Zeit waren die „Doktores“ vorwiegend Wundärzte und so gab es z.B. im Jahre 1509 in Emden 15 Meister mit Knechten und Lehrlingen, die in einer handwerklich ausgerichteten Gilde zusammengeschlossen waren. Die am Grafenhof praktizierenden „Hofmedici“ waren nur z.T. akademisch ausgebildete Mediziner. Ihre Tätigkeit beschränkte sich neben gesellschaftlichen Pflichten und Betreuung der landesherrschaftlichen Familie auf die Überwachung der Hofapotheken. Die Apotheken waren oftmals nicht mehr als verbesserte Gewürzkrämereien, in welchen nicht selten auch mit Kurzwaren gehandelt wurde. Dies geht auch aus einem Bericht bei der Übergabe der Hofapotheke im Jahre 1697 an Thomas Greems hervor. Ihm wurde hierbei nahegelegt, vom Handel mit Band und Spitzen, Handschuhen und Strümpfen zu lassen, jedoch den Handel mit Gewürzen, Tee und Kaffee weiter zu betreiben. Neben Heilkräutern und Mixturen und Geheimrezepten waren auch andere „Leckerbissen“ in der Apotheke zu haben. So liest man aus Empfehlungsschreiben der damaligen Zeit, man möge „von der alten Gefolgschaft ablassen“ und „in der Apotheke keine Saufereien verbinden“.

Apothekerberuf ab Ende 18. Jh. akademisch

Arzneibücher gab es mit Ausnahme der 1640 in Augsburg erschienenen „Pharmacopeia Augustana“ noch nicht und so war der Apothekerberuf noch lange ein kaufmännisch und handwerklich ausgerichteter Lehrberuf mit Lehrlingen und Gesellen. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde die akademische Ausbildung zur Pflicht gemacht, nachdem 1796 der Erfurter Universität eine chemisch-pharmazeutische Lehranstalt angegliedert wurde.

Medikamente an Fremde

Im Jahre 1690 übernahm der schon seit längerem tätige Gehilfe Thomas Greems für drei Jahre die Verwaltung der Hofapotheke und gab nun auch in vermehrtem Maße die vom Hofmedicus verordneten Medikamente an Fremde ab. 1693 übernahm der Hofmedicus Dr. Eberhard Bacmeister, ein sehr geschäftstüchtiger und weltgewandter Mann, selbst die Apotheke, wo er bei allen Krankheiten mit „behörigen Medikamenten“ und nach dem Wunsch des Hofes „wie auch was an Pomaden und Handschuh zu waschen“ nötig sei, aufwarten sollte. Nach vier Jahren (1697) gab er die Apotheke wieder an Greems ab, der von 1707 bis 1735 auch Auricher Bürgermeister war. Er erhielt bei der Übergabe genaue Vorschriften über die Herstellung von Opium-Antimon- und Quecksilberpräparaten.

Nachfolger war Bürgermeister

Der Nachfolger von Thomas Greems war Wilhelm-Friedrich Greems, der auch Bürgermeister war von 1735 bis 1738. Dessen Erben verkauften die inzwischen in Privatbesitz übergegangene Apotheke an den zeitweilig in Aurich tätig gewesenen Leibarzt Christian Ludwig Horst. Die Apotheke wurde mittlerweile in die Stadt verlegt und bekam nun auch die um 1738 gegründete heutige Löwenapotheke zur Konkurrenz.

Weitere Besitzer

Weitere Besitzer waren dann: Johann Fokken aus Bremen – zugleich Pächter der Löwenapotheke, die ihren Namen allerdings erst 1841 erhielt, dann Gerhard Schmeding, Wilhelm Ebermeister, Carl Wellenkamp, Wigbold van Senden, Hermann Meyer, Julius Welter, Eduard Reimers, zu Anfang des letzten Jahrhunderts im Jahre 1904 Wilhelm Osterley und 1908 Martin Stölting, der die Apotheke bis zu seinem Tode 1933 betrieb. Dessen Bruder, Paul Stölting, war es, der das in der Giebelwand eingelassene ostfriesische Wappen, das den fürstlichen Ursprung der Apotheke bezeugt und heute noch die Apotheke ziert, angefertigt hatte. 1934 kaufte Oskar Rassau die Hofapotheke. Sein Vater war der erste in Aurich ansässige Apotheker Rudolf Rassau, der um 1870 die Löwenapotheke erwarb und jahrzehntelang als städtischer Senator in der Kommunalpolitik und für den Berufsstand der Apotheker als Revisor für die ostfriesischen Apotheken tätig war. Oskar Rassau, der wie sein Vater Apotheker wurde, hielt es anfangs nicht in Aurich und er weigerte sich die väterliche Apotheke zu übernehmen, weshalb sein Vater die Löwenapotheke an Karl Waßmus verkaufte, dem Großvater des heutigen Besitzers der Löwenapotheke. Oskar Rassau kam nach Jahren der Wanderschaft doch wieder nach Ostfriesland zurück und kaufte 1908 die Apotheke in Remels, wo er 25 Jahre tätig war.

In den Kriegsjahren

Nach dem Tode von Martin Stölting kaufte er 1933 die Hofapotheke, die er 1953 selbständig mit Unterstützung des Verwalters Heinrich Ley betrieb, dem er aber immer häufiger die Apotheke überlassen mußte, da er sich genau wie sein Vater als langjähriger Senator intensiv für die städtischen Belange einsetzte. In den letzten Kriegsjahren 1944 und 45 war er Bürgermeister und hat durch seine besonnene Art mit dazu beigetragen, daß Aurich vom Feindbeschuß verschont blieb.

Bis 1977

Heinrich Ley, der die Hofapotheke ab 1953 pachtete und bis zum Ende des Jahres 1977 in der Apotheke wirkte, wurde im Jahre 1956 Ehrenbeamter in der Eigenschaft als Pharmazierat des Regierungspräsidenten in Aurich, 1969 Landschaftsrat bei der Ostfriesischen Landschaft und engagierte sich für den Landschaftsschutz. Als Oskar Rassau im Jahre 1958 verstarb, erbte sein in Remels geborener Sohn Jellrich Hoissen Rassau, benannt nach seinem Urgroßvater Jellrich Hoissen Müller, dem früheren Besitzer der Wallmühle, die Apotheke, die auch weiterhin an Heinrich Ley verpachtet wurde. Jellrich Hoissen Rassau, der auch in die Fußstapfen seines Vaters stieg, übernahm jedoch die Apotheke seines Schwiegervaters in Eltville am Rhein, wo im Jahre 1943 sein Sohn Gerko Rassau geboren wurde. Gerko Rassau trat am 01.Januar 1978 die Nachfolge in der Hofapotheke an.